Kleine und große Anwartschaft in der privaten Krankenversicherung
Wer seine private Krankenversicherung vorübergehend nicht nutzen kann oder zu einem späteren Zeitpunkt wieder in die private Krankenversicherung zurückkehren möchte, stößt häufig auf die Begriffe „kleine Anwartschaft“ und „große Anwartschaft“. Vielen Versicherten ist jedoch nicht bekannt, welche erheblichen Unterschiede zwischen beiden Varianten bestehen und welche Auswirkungen diese später auf Beiträge, Gesundheitsprüfung und Vertragsrechte haben können.
Gerade bei Beamten, Soldaten, längeren Auslandsaufenthalten oder einer vorübergehenden Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung spielt die Anwartschaft eine wichtige Rolle. Die richtige Entscheidung kann langfristig einen erheblichen finanziellen Unterschied machen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, was eine Anwartschaft ist, welche Unterschiede zwischen kleiner und großer Anwartschaft bestehen, für wen welche Variante geeignet sein kann und welche Auswirkungen die Entscheidung auf die spätere private Krankenversicherung haben kann.
Was ist eine Anwartschaft in der privaten Krankenversicherung?
Eine Anwartschaft ist eine besondere Vereinbarung zwischen dem Versicherten und der privaten Krankenversicherung. Sie ermöglicht es, bestimmte Rechte aus einem bestehenden Versicherungsvertrag zu erhalten, obwohl der eigentliche Versicherungsschutz vorübergehend ruht.
Die Anwartschaft wird häufig genutzt, wenn eine Person die private Krankenversicherung vorübergehend verlässt oder für einen bestimmten Zeitraum nicht benötigt, aber die Möglichkeit offenhalten möchte, später wieder in die private Krankenversicherung zurückzukehren.
Ziel der Anwartschaft ist es, Nachteile zu vermeiden, die bei einer späteren Neuaufnahme entstehen könnten. Dazu gehören insbesondere eine erneute Gesundheitsprüfung oder ein höheres Eintrittsalter mit entsprechend höheren Beiträgen.
In welchen Situationen kommt eine Anwartschaft infrage?
Eine Anwartschaft kann in unterschiedlichen Lebenssituationen sinnvoll sein. Besonders häufig kommt sie bei Personen vor, die vorübergehend versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung werden oder deren berufliche Situation einen Wechsel erforderlich macht.
Typische Beispiele sind Beamte auf Widerruf, Soldaten, längere Auslandsaufenthalte, Elternzeit, Studienzeiten oder ein vorübergehender Wechsel in ein Angestelltenverhältnis mit Versicherungspflicht.
Auch Personen, die ihre private Krankenversicherung vorübergehend ruhen lassen möchten, können von einer Anwartschaft profitieren.
Die kleine Anwartschaft
Die kleine Anwartschaft dient in erster Linie dazu, den aktuellen Gesundheitszustand des Versicherten zu sichern.
Wenn später eine Rückkehr in die private Krankenversicherung erfolgt, muss in vielen Fällen keine erneute Gesundheitsprüfung durchgeführt werden. Erkrankungen oder gesundheitliche Veränderungen, die während der Anwartschaftszeit auftreten, führen dann häufig nicht dazu, dass der Versicherungsschutz erschwert oder verteuert wird.
Die kleine Anwartschaft ist deshalb besonders interessant für Personen, die nur für einen begrenzten Zeitraum aus der privaten Krankenversicherung ausscheiden und sich vor allem gegen spätere gesundheitliche Nachteile absichern möchten.
Der große Vorteil besteht in den vergleichsweise niedrigen Kosten. Allerdings wird das ursprüngliche Eintrittsalter in der Regel nicht gesichert. Das kann dazu führen, dass die Beiträge bei einer späteren Rückkehr höher ausfallen als bei einer großen Anwartschaft.
Die große Anwartschaft
Die große Anwartschaft geht deutlich weiter als die kleine Anwartschaft.
Neben dem Gesundheitszustand wird in vielen Fällen auch das ursprüngliche Eintrittsalter erhalten. Dadurch kann bei einer späteren Rückkehr in die private Krankenversicherung häufig so gerechnet werden, als hätte die Unterbrechung nie stattgefunden.
Gerade bei längeren Unterbrechungen kann dies erhebliche finanzielle Vorteile bringen. Je höher das Alter bei einer Rückkehr wäre, desto größer kann der Unterschied zwischen einer kleinen und einer großen Anwartschaft ausfallen.
Die große Anwartschaft verursacht zwar höhere laufende Kosten als die kleine Anwartschaft, bietet dafür jedoch oft deutlich umfangreichere Vorteile für die spätere Beitragsentwicklung.
Die wichtigsten Unterschiede zwischen kleiner und großer Anwartschaft
Sowohl die kleine als auch die große Anwartschaft sichern den Gesundheitszustand des Versicherten. In beiden Fällen kann dadurch häufig eine erneute Gesundheitsprüfung vermieden werden.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die große Anwartschaft zusätzlich häufig das ursprüngliche Eintrittsalter sichert. Dadurch können spätere Beiträge deutlich günstiger ausfallen.
Die kleine Anwartschaft ist in der Regel kostengünstiger, bietet jedoch weniger Schutz hinsichtlich der späteren Beitragsentwicklung. Die große Anwartschaft verursacht höhere Kosten, kann sich langfristig jedoch finanziell auszahlen.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt immer von der individuellen Situation, dem Alter, der geplanten Dauer der Unterbrechung und den persönlichen Zielen ab.
Welche Rolle spielen Altersrückstellungen?
Altersrückstellungen gehören zu den wichtigsten Elementen der privaten Krankenversicherung. Sie werden während der Vertragslaufzeit aufgebaut, um steigende Gesundheitskosten im Alter abzufedern.
Viele Versicherte gehen davon aus, dass eine Anwartschaft automatisch sämtliche Altersrückstellungen sichert. Tatsächlich hängt dies jedoch von der jeweiligen Vertragsgestaltung und den Bedingungen des Versicherers ab.
Gerade bei der großen Anwartschaft können bestimmte Vorteile erhalten bleiben, die sich später positiv auf die Beitragsentwicklung auswirken. Deshalb sollte immer geprüft werden, welche Auswirkungen eine Anwartschaft auf bereits aufgebaute Altersrückstellungen haben kann.
Für wen kann eine große Anwartschaft besonders sinnvoll sein?
Die große Anwartschaft wird häufig von Personen gewählt, die sicher oder mit hoher Wahrscheinlichkeit in die private Krankenversicherung zurückkehren möchten.
Dies betrifft beispielsweise Berufssoldaten, Beamte, Personen mit längeren Auslandsaufenthalten oder Versicherte, die vorübergehend versicherungspflichtig werden.
Auch bei bestehenden Vorerkrankungen oder fortgeschrittenem Alter kann die Sicherung des Gesundheitszustands und des Eintrittsalters einen erheblichen Vorteil darstellen.
Je länger die geplante Unterbrechung dauert, desto wichtiger wird häufig die Frage, ob eine große Anwartschaft wirtschaftlich sinnvoll sein kann.
Häufige Fragen zur kleinen und großen Anwartschaft
Was kostet eine kleine Anwartschaft?
Die Kosten unterscheiden sich je nach Versicherer, Tarif und Alter. In der Regel liegt der Beitrag deutlich unter den Kosten einer aktiven privaten Krankenversicherung. In der Regel sind es ca. 10% bis 30% vom derzeitigen Beitrag, je nach Versicherer.
Was kostet eine große Anwartschaft?
Die große Anwartschaft ist teurer als die kleine Anwartschaft, da sie zusätzliche Rechte und Vorteile sichert. Die konkreten Kosten hängen vom jeweiligen Versicherer und Tarif ab. In der Praxis sind es ca. 30% bis 50% vom derzeitigen Beitrag, je nach Versicherung.
Muss ich später erneut Gesundheitsfragen beantworten?
Einer der Hauptgründe für eine Anwartschaft besteht darin, den aktuellen Gesundheitszustand zu sichern. Dadurch kann bei einer späteren Rückkehr häufig auf eine erneute Gesundheitsprüfung verzichtet werden.
Ist die große Anwartschaft immer die bessere Lösung?
Nein. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab. Nicht jede Unterbrechung rechtfertigt die zusätzlichen Kosten einer großen Anwartschaft.
Kann eine alte Anwartschaft heute noch Vorteile bieten?
Ja. Gerade bei älteren Verträgen ergeben sich teilweise Möglichkeiten oder Rechte, die vielen Versicherten heute nicht mehr bewusst sind. Deshalb kann es sinnvoll sein, bestehende Unterlagen regelmäßig zu überprüfen.
Kann ich von einer kleinen auf eine große Anwartschaft wechseln?
Ob ein Wechsel möglich ist, hängt von den Bedingungen des jeweiligen Versicherers ab. Eine pauschale Antwort ist deshalb nicht möglich.
Fazit
Die kleine und die große Anwartschaft verfolgen dasselbe Ziel: Sie sollen den späteren Wiedereinstieg in die private Krankenversicherung erleichtern und Nachteile vermeiden.
Die kleine Anwartschaft konzentriert sich vor allem auf die Sicherung des Gesundheitszustands. Die große Anwartschaft bietet darüber hinaus häufig den Vorteil, dass auch das ursprüngliche Eintrittsalter erhalten bleibt und sich dadurch spätere Beiträge günstiger entwickeln können.
Welche Lösung die richtige ist, hängt immer von der persönlichen Situation ab. Gerade bei längeren Unterbrechungen, älteren Verträgen oder geplanten Rückkehrmöglichkeiten in die private Krankenversicherung lohnt es sich, die individuellen Auswirkungen genau zu betrachten.
Wer bereits eine Anwartschaft besitzt oder in der Vergangenheit abgeschlossen hat, sollte regelmäßig prüfen, welche Rechte und Möglichkeiten sich daraus heute noch ergeben können. Gerade im Bereich der privaten Krankenversicherung können sich langfristige Vorteile ergeben, die vielen Versicherten zunächst gar nicht bewusst sind.
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