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Bisex-Tarife, Unisex-Tarife sowie alte und neue Tarifwelten in der privaten Krankenversicherung

Die private Krankenversicherung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig weiterentwickelt. Dabei entstanden unterschiedliche Tarifgenerationen, die heute häufig als Bisex-Tarife, Unisex-Tarife, alte Tarifwelt oder neue Tarifwelt bezeichnet werden.

Für viele Versicherte wirken diese Begriffe zunächst technisch oder historisch. Tatsächlich können sie jedoch erhebliche Auswirkungen auf Leistungen, Beitragsentwicklung, Tarifwechselmöglichkeiten und langfristige Vertragsrechte haben.

Gerade bei bestehenden Altverträgen oder geplanten Tarifwechseln lohnt es sich daher, die Unterschiede zwischen den einzelnen Tarifwelten zu kennen. Denn nicht jeder ältere Tarif ist automatisch schlechter und nicht jeder moderne Tarif automatisch besser.

In diesem Beitrag erfahren Sie, was sich hinter den verschiedenen Tarifwelten verbirgt, warum sie entstanden sind und welche Bedeutung sie heute für Versicherte haben.

Was ist ein Bisex-Tarif?

Bisex-Tarife waren über viele Jahre der Standard in der privaten Krankenversicherung.

Der Begriff „Bisex“ bedeutet, dass Männer und Frauen bei der Beitragsberechnung unterschiedlich behandelt wurden. Grundlage waren versicherungsmathematische Berechnungen, die geschlechtsspezifische Unterschiede bei Gesundheitskosten, Lebenserwartung und Leistungsinanspruchnahme berücksichtigten.

Dadurch konnten Männer und Frauen für denselben Versicherungsschutz unterschiedliche Beiträge zahlen.

Bisex-Tarife wurden bis zum Ende Dezember 2012 angeboten und prägen noch heute einen großen Teil des PKV-Bestands.

Warum wurden Bisex-Tarife abgeschafft?

Die Umstellung erfolgte aufgrund einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs.

Der Gerichtshof entschied, dass das Geschlecht künftig nicht mehr als Faktor für die Beitragskalkulation verwendet werden darf.

Seit dem 21. Dezember 2012 dürfen private Krankenversicherungen Neuverträge nur noch als Unisex-Tarife anbieten.

Bestehende Bisex-Verträge blieben jedoch unverändert bestehen und werden weiterhin fortgeführt.

Was ist ein Unisex-Tarif?

Unisex-Tarife basieren auf einer geschlechtsneutralen Kalkulation.

Das bedeutet, dass Männer und Frauen bei identischen Voraussetzungen grundsätzlich denselben Beitrag zahlen.

Seit Ende 2012 werden sämtliche neu abgeschlossenen private Krankenversicherungstarife nach diesem Prinzip kalkuliert.

Die Einführung der Unisex-Welt führte dazu, dass viele Versicherer ihre Tariflandschaften grundlegend überarbeiteten und neue Tarifgenerationen entwickelten.

Was versteht man unter der alten Tarifwelt?

Als alte Tarifwelt werden häufig Tarifgenerationen bezeichnet, die vor größeren Tarifreformen oder vor Einführung moderner Tarifserien entwickelt wurden.

Hierzu zählen oftmals:

  • ältere Bisex-Tarife

  • geschlossene Tarifgenerationen

  • historische Vertragsmodelle

  • langjährig bestehende Bestände

Diese Tarife werden häufig nicht mehr aktiv verkauft, bleiben für bestehende Versicherte jedoch weiterhin bestehen.

Viele Kunden befinden sich seit Jahren oder sogar Jahrzehnten in solchen Tarifwelten.

Was versteht man unter der neuen Tarifwelt?

Die neue Tarifwelt umfasst moderne Tarifgenerationen, die in den vergangenen Jahren entwickelt wurden.

Dazu gehören häufig:

  • Unisex-Tarife

  • moderne Tarifserien

  • aktualisierte Leistungsbedingungen

  • neue Kalkulationsmodelle

  • an den medizinischen Fortschritt angepasste Tarifwerke

Versicherer haben viele dieser Tarife speziell auf aktuelle Anforderungen im Gesundheitswesen ausgerichtet.

Warum existieren mehrere Tarifwelten gleichzeitig?

Die private Krankenversicherung funktioniert langfristig.

Ein Tarif verschwindet nicht automatisch vom Markt, wenn ein neuer Tarif eingeführt wird.

Versicherte bleiben oftmals über Jahrzehnte in ihrem bestehenden Vertrag versichert.

Dadurch entstehen verschiedene Tarifgenerationen, die parallel existieren können.

So kommt es vor, dass innerhalb derselben Versicherungsgesellschaft sowohl sehr alte Bisex-Tarife als auch moderne Unisex-Tarife geführt werden.

Vorteile von Bisex-Tarifen

Bisex-Tarife werden häufig allein aufgrund ihres Alters bewertet. Tatsächlich können sie jedoch interessante Besonderheiten enthalten.

Mögliche Vorteile:

  • historisch gewachsene Leistungszusagen

  • teilweise sehr starke Vertragsrechte

  • besondere Tarifwechselmöglichkeiten

  • in einzelnen Bereichen umfangreiche Leistungen

  • teilweise günstige Kalkulation für bestimmte Personengruppen

Gerade langjährig bestehende Verträge sollten daher sorgfältig geprüft werden.

Mögliche Nachteile von Bisex-Tarifen

Je nach Tarifgeneration können auch Einschränkungen vorhanden sein.

Beispiele:

  • geschlossene Hilfsmittelkataloge

  • ältere Leistungsdefinitionen

  • eingeschränkte Weltgeltung

  • veraltete Vertragsformulierungen

  • teilweise geringere Berücksichtigung moderner Behandlungsmethoden

Diese Punkte treffen jedoch nicht automatisch auf jeden Bisex-Tarif zu.

Vorteile der neuen Tarifwelt

Moderne Tarifgenerationen wurden häufig unter Berücksichtigung aktueller medizinischer Entwicklungen konzipiert.

Mögliche Vorteile:

  • modernisierte Leistungsbedingungen

  • offene Hilfsmittelkataloge

  • verbesserte Regelungen für innovative Therapien

  • umfangreichere Auslandsleistungen

  • Anpassung an heutige Versorgungsstandards

  • zeitgemäße Tarifgestaltung

Viele Versicherer haben die Einführung der Unisex-Tarife genutzt, um ihre Produktlandschaften grundlegend zu modernisieren.

Mögliche Nachteile der neuen Tarifwelt

Auch moderne Tarife sind nicht automatisch überlegen.

Mögliche Nachteile können sein:

  • Wegfall bestimmter historischer Vertragsrechte

  • andere Kalkulationsgrundlagen

  • abweichende Leistungsdefinitionen

  • höhere Beiträge in bestimmten Konstellationen

  • Verlust von Besonderheiten älterer Tarifgenerationen

Deshalb sollte jede Tarifentscheidung individuell geprüft werden.

Alte Tarifwelt oder neue Tarifwelt – was ist besser?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

Ein älterer Tarif kann in bestimmten Bereichen hervorragende Leistungen bieten, während ein moderner Tarif an anderer Stelle Vorteile besitzt.

Entscheidend sind immer:

  • die konkreten Vertragsbedingungen

  • die individuellen Bedürfnisse des Versicherten

  • die langfristige Nutzungsperspektive

  • bestehende Vertragsrechte

  • mögliche Wechseloptionen

Das Alter eines Tarifs allein sagt wenig über dessen tatsächliche Qualität aus.

Welche Bedeutung hat die Tarifwelt bei einem Tarifwechsel?

Gerade bei Tarifwechseln innerhalb einer Gesellschaft spielt die Tarifwelt eine wichtige Rolle.

Ein Wechsel von einer alten in eine neue Tarifwelt kann Vorteile bringen, gleichzeitig aber auch dazu führen, dass bestimmte Vertragsrechte dauerhaft verloren gehen.

Vor einem Wechsel sollten deshalb unter anderem folgende Fragen geklärt werden:

  • Welche Leistungen ändern sich?

  • Welche Rechte bleiben erhalten?

  • Welche Besonderheiten gehen verloren?

  • Wie entwickelt sich der Beitrag langfristig?

  • Welche Auswirkungen ergeben sich im Leistungsfall?

Eine reine Betrachtung der Beitragshöhe reicht dabei meist nicht aus.

Häufige Fragen zu Bisex-, Unisex- und Tarifwelten

Kann ich heute noch einen Bisex-Tarif abschließen?

Nein. Seit dem 21. Dezember 2012 werden Neuverträge ausschließlich als Unisex-Tarife angeboten. 

Sind Unisex-Tarife grundsätzlich besser?

Nein. Die Qualität eines Tarifs hängt von seinen Leistungen und Bedingungen ab, nicht allein von seiner Tarifwelt.

Sind ältere Tarife automatisch veraltet?

Nein. Viele ältere Tarife enthalten Leistungen oder Vertragsrechte, die auch heute noch sehr attraktiv sein können.

Warum gibt es noch Bisex-Tarife?

Bestehende Verträge wurden nicht umgestellt und werden weiterhin fortgeführt.

Kann ich zwischen den Tarifwelten wechseln?

Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Tarifwechsel innerhalb derselben Gesellschaft möglich sein. Die Folgen sollten jedoch sorgfältig geprüft werden.

Was bedeutet neue Tarifwelt konkret?

Damit sind moderne Tarifgenerationen gemeint, die häufig nach Einführung der Unisex-Kalkulation entwickelt wurden.

Worauf sollten Versicherte achten?

Die Einordnung eines Tarifs in eine bestimmte Tarifwelt sollte niemals isoliert betrachtet werden.

Wichtiger sind Fragen wie:

  • Welche Leistungen sind tatsächlich versichert?

  • Wie modern sind die Vertragsbedingungen?

  • Welche Wechselmöglichkeiten bestehen?

  • Welche Vertragsrechte wurden aufgebaut?

  • Welche langfristigen Auswirkungen ergeben sich?

Gerade bei langjährigen PKV-Verträgen lohnt sich eine detaillierte Analyse.

Fazit

Bisex-Tarife, Unisex-Tarife sowie die Unterscheidung zwischen alter und neuer Tarifwelt gehören zu den zentralen Themen der privaten Krankenversicherung.

Während Bisex-Tarife bis Ende 2012 geschlechtsabhängig kalkuliert wurden, basiert die heutige Unisex-Welt auf einer geschlechtsneutralen Beitragsberechnung. Parallel dazu existieren alte und neue Tarifgenerationen mit teilweise sehr unterschiedlichen Leistungsmerkmalen und Vertragsbedingungen.

Für Versicherte ist die Tarifwelt weit mehr als eine historische Einordnung. Sie kann Einfluss auf Leistungen, Beitragsentwicklung, Wechselmöglichkeiten und langfristige Vertragsrechte haben.

Deshalb sollte ein PKV-Vertrag niemals allein aufgrund seines Alters oder seiner Tarifgeneration bewertet werden. Entscheidend sind die tatsächlichen Leistungen, die vertraglichen Regelungen und die individuellen Ziele des Versicherten. Gerade hier können sowohl ältere als auch moderne Tarifwelten jeweils besondere Stärken besitzen.

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